Ehepaar auf Abwegen, 47. Teil

Kommentar   1

Ehepaar auf Abwegen, 47. Teil
Damals (Juli 2005)
Fortsetzung, autobiographischer Inhalt
… Die Therapeutin Clara Millstedt setzte gerade zu einer Erklärung an, warum die Entscheidung, einen fremdgezeugten Fötus nicht abzutreiben, sondern auszutragen, ein deutlich höheres Risiko für die eheliche Beziehung darstellen würde, als Sandra bat, sich wieder hinzusetzen zu dürfen. Also führte Marco seine Frau wieder zum Tisch und Clara und Burkhart folgten. Erneut eilte ein Kellner herbei und brachte die Flaschen und Gläser nach.
… Marco musste einräumen, dass der Service ganz hervorragend war. Die Uhr zeigte Viertel vor zwölf und ihr Tisch war der letzte, der noch besetzt war. Dafür herrschte an der Bar und der daran angeschlossenen Lounge reges Treiben. Offenbar war der ‚rote Fasan‘ auf späte Gäste gut eingerichtet.
… Als alle saßen und ihre Gläser wieder vor sich stehen hatten, startete Clara ihre Erklärung erneut: „Wir gehen also davon aus, dass die Schwängerung der Ehefrau mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht durch ihren Mann erfolgt ist. Wenn eine Abtreibung nicht gewollt ist, aus welchen Gründen auch immer, wird das Kjind auf die Welt kommen und aller Wahrscheinlichkeit nach wird ein Test nach der Geburt Klarheit über die Váterschaft schaffen. Für uns relevant ist logischerweise nur der Fall, dass das Kjnd tatsächlich nicht vom Ehemann ist. Wenn sich das Paar einig war, nicht abzutreiben, wird es sich hoffentlich über dieses Risiko klar geworden sein, am besten durch eine geeignete Beratung.“
… „Eine solche Beratung hatten wir, wie Sie wissen, Clara, damals beim Jugendamt“, warf Marco ein.
… „Die war aber nicht ausreichend, ehrlich gesagt. Sie behandelte nur das Adoptionsrecht. Doch die psychologischen Komponenten sind viel bedeutender“, berichtigte die Therapeutin, „und die haben Sie zwar von sich aus erkannt, aber nur zum Teil. Sie haben nur Schwarz oder Weiß gesehen. Das Risiko für Sie war, dass Sandra eine vorher vereinbarte Adoption verweigern würde, weil sie eine enge emotionale Bindung zu Ihrem Báby entwickelt hatte. Eine solche ist viel intensiver als die zu ihrem Ehemann. Sandra würde sich daher mit großer Wahrscheinlichkeit für das Báby und gegen ihren Mann entscheiden. Das war Ihnen klar und deshalb kam nur Abtreibung für Sie infrage. Über Alternativen haben Sie gar nicht nachgedacht, weil Sie ein fremdgezeugtes Kjnd in Ihrer Familie kategorisch ausgeschlossen haben.“
… „Ja genau“, meldete sich Sandra und legte ihre Hand auf die von Marco. „Ich wiederhole meine Frage von vorhin: Warum, mein Liebster?“
… „Haben Sie darüber nie gesprochen während der letzten zwölf Monate?“, wollte Clara wissen.
… „Nein, eigentlich nicht“, antwortete Marco, „wir sollten ja über alles, was damals vorgefallen ist, möglichst nicht reden.“
… „Daran haben Sie auch gutgetan. Aber jetzt beschäftigen wir uns ausführlich damit. Können Sie die Frage Ihrer Frau beantworten?“
… „Nein, Clara, das kann ich nicht. Ich habe schon mal darüber nachgedacht, aber ich weiß es nicht. Ich empfinde ein sehr unangenehmes Gefühl dabei, mir vorzustellen, ein fremdes Kijnd großzuziehen, fast ein wenig Widerwillen.“
… „In einer guten psychologischen Beratung hätte man Ihnen die Hintergründe zu Ihren Gefühlen erklären können. Die haben nämlich viele Männer, die meisten sogar. Und auch solche, die sich vorher gegenüber ihren Frauen nobel verhalten und sich einverstanden gezeigt haben, das fremdgezeugte Kjnd als Familienmitglied willkommen zu heißen. Auch solche, die vorher ihrer Frau erklärt haben, es mache ihnen nichts aus, wenn sie beim Fremdsex geschwängert würde, und sogar solche, die in einem Anflug von Verrücktheit ihre Frau dazu gedrängt haben.“
… „Solche Männer gibt es?“, fragte Marco verblüfft.
… „Selten“, erwiderte Clara, „aber es gibt sie. Schließlich gibt es nichts, was es nicht gibt. Ein solcher Mann ist hochgradig psychotisch, denn sein männliches Erbgut würde ein solches Verhalten normalerweise gar nicht erlauben.“
… Sandra wirkte irritiert: „Aber von solchen Männern mal abgesehen, heißt das nicht, dass ich mich nicht auf Marco verlassen hätte können, selbst wenn er einverstanden gewesen wäre, dass ich das Kijnd bekomme?“
… „Ja, Sandra, genau das heißt es, mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest. Aber das gilt auch andersherum. Auch Marco hätte sich nicht auf Ihr Versprechen verlassen können. Ja, natürlich gibt es Männer, die aus Liebe zu ihrer Frau mit einer außerehelichen Zeugung klarkommen und trotzdem langfristig eine liebevolle Ehe führen. Aber die Wahrscheinlichkeit spricht dagegen. Das Problem kann gleich nach der Geburt auftreten oder aber auch viel später. Und das Ergebnis heißt praktisch immer ‚Trennung‘. Die Gründe haben mit Verantwortung zu tun, aber dazu komme ich gleich. Einen Ausweg kann, wenn überhaupt möglich, nur eine gute psychotherapeutische Aufarbeitung liegen. Eine mögliche weitere Alternative zwischen Schwarz und Weiß könnte auf diese Weise aufgezeigt werden und vielleicht gelingt es dabei, ein Umdenken ins Bewusstsein des Ehemannes zu bringen, sodass er das Kjnd lieben lernen kann, nachhaltig, versteht sich. Eine Erfolgsgarantie gibt es dabei natürlich auch nicht, aber vielleicht hätte man Sandras Schwangerschaftszeit dazu nutzen können, Marcos Denken und Fühlen in diese Richtung zu bringen, zum Beispiel wegen seiner großen Liebe zu seiner Frau. Wir haben ja gelernt, was Liebe ist und was sie alles vermag.“
… „Nun ja, da ist wahrscheinlich etwas dran“, gab Marco zu, „wir haben ja am eigenen Leib erfahren, wie überaus erfolgreich eine psychotherapeutische Behandlung sein kann. Gibt es dazu Fallbeispiele, Clara?“
… „Aber selbstverständlich, mein Lieber.“ Clara lächelte ihm zu. „Ich habe einen solchen Fall in meiner Praxis noch nicht gehabt, aber es gibt Erfahrungsberichte von Kollegen. Und etliche sind erfolgreich, das heißt, das fremdgezeugte Kjind wächst glücklich auf, geliebt von beiden Eltern. Es ist nämlich auch ein psychologisches Phänomen, dass es im Laufe der Zeit für den Váter keine Rolle mehr spielt, dass er das Kjnd nicht selbst gezeugt hat. Das verschwindet in die hinteren Winkeln seines Bewusstseins.
… Aber das wird nur funktionieren, wenn man dem Ehemann Zeit gibt, sich da hinein finden zu können. Deshalb tut seine Ehefrau gut daran, ihrem Mann eine mögliche Fremdschwängerung frühestmöglich zu beichten. Wenn er es erst nach der Geburt erfährt oder gar durch Zufall einige Jahre später, wird es für Ehe und Familie sehr, sehr schwierig. Das wäre bei Ihnen vielleicht der Fall gewesen, Marco, hätte es den Film nicht gegeben. So aber wäre es möglich gewesen, Sie während Sandras Schwangerschaft entsprechend vorbereiten zu können. Eine Abtreibung wäre dann nicht erforderlich gewesen.“
… „Gut fühle ich mich bei Ihren Worten jetzt nicht“, meinte Marco.
… Sandra nahm erneut Marcos Hände in die ihren und sagte: „Alles gut, mein Liebling. Ist ja längst erledigt.“
… „Ich verstehe Ihre Reaktion“, sagte Clara mit einem tröstenden Tonfall, „aber sie hatten keine Möglichkeit, es anders zu machen, als es gelaufen ist. Für Sie war eine psychologische Beratung außerhalb jeglichen Denkens und es hat sie auch niemand auf diese Idee gebracht. Sie beide haben Frieden mit der Vergangenheit geschlossen, belassen Sie es dabei.“
… „Siehst du“, bekräftigte Sandra, „und morgen, wenn du wieder nüchtern bist, wirst du das kapieren.“
… Marco wollte protestieren, aber er sah die anderen lachen. Seine Frau sah ihn ganz lieb an und lächelte, also tat er dasselbe. Sandra hatte gewusst, wie sie seine Stimmung aufheitern konnte.
… „Ich erkläre Ihnen jetzt noch, wo Marcos ablehnende Gefühle herrühren“, legte Clara nochmals los, „das war eingangs Sandras Frage. Die stecken in den männlichen Genen. Im Prinzip wollen die Männchen aller Gattungen dasselbe, sie wollen ihre Gene weitergeben, sie wollen möglichst viel eigenen Nacchwuchs produzieren. Deshalb wollen sie auch verhindern, dass sich andere Männchen dem oder den Weibchen nähern, die sie in ihrem ‚Besitz‘ wähnen. Bei jenen Arten, bei denen die Männchen bei Aufzucht und Brutpflege mitarbeiten, legt das Männchen besonderen Wert darauf, dass die Jungen, die es betreut, seine Gene tragen. Der Grund ist einfach: Das Männchen möchte seine Kraft und Energie effektiv einsetzen, das heißt die Nutzen-Kosten-Rechnung muss positiv sein, das ist ein Naturgesetz und gilt eigentlich für alles in der Natur. Unter ‚Kosten‘ verstehen wir in diesem Fall die Aufwendungen, die das Männchen für die Aufzucht erbringt, und der Nutzen entspricht dem Vorteil, den das Männchen seinem Náchwuchs für das Überleben verschafft, wohlgemerkt dem Náchwuchs, der seine eigenen Gene trägt und nicht fremde. Das hat schon Charles Darwin erkannt. Und diejenige Beziehungsform, die hierfür die besten Voraussetzungen schafft, ist die monogame, die zumindest so lange andauert, bis die Aufzucht der jeweiligen Brut abgeschlossen ist.
… Beim Menschen dauert diese Aufzucht mitunter zwei bis drei Jahrzehnte, bis alle Kijnder Selbstversorger sind. Daraus ist im Prinzip eine lebenslange Monogamie entstanden, in der Theorie zumindest. In der Praxis kommt alles vor, wir wissen es, alle Arten von Fremdgehen. Genetisch tickt der Menschenmann jedoch genauso wie seine tierischen Kollegen. Deshalb wird er so wie diese darauf achten, dass sein Weibchen, also die Menschenfrau, nicht von Konkurrenten geschwängert wird. Er will sicherstellen, dass er nur seinen eigenen Nachwúchs aufzieht. Das wird ihm nicht immer gelingen, so wie manchen Vogelmännchen, denen der Kuckuck seine Eier unterschiebt, aber absichtlich zulassen wird er das niemals. Gegenteiliges finden Sie ganz selten, aber solche Männer haben, sofern sie eine Fremdschwängerung nicht aus medizinischen Gründen möchten, wie bereits gesagt einen psychischen Defekt.“
… „Heißt das“, fragte Sandra dazwischen, „dass Marcos Gene für seine Ablehnung verantwortlich sind?“
… „Richtig, Sandra, aber nicht nur, lassen Sie mich weiter ausführen. Der Mensch hat als Spezies eine lange kulturgeschichtliche Entwicklung hinter sich. Es gab nicht nur monogame Gesellschaften, es gab auch andere Formen, besonders zu Beginn der Menschheitsgeschichte. Zunächst kristallisierten sich polygyne Typen heraus, das heißt ‚Vielweiberei‘ auf Deutsch. Männer lebten als Jäger und Krieger gefährlicher als Frauen, weshalb ihre Zahl oft geringer war. Selbst wenn sie zunächst nur mit einer Frau lebten, war es sehr wahrscheinlich, dass sie weitere Frauen ‚übernehmen‘ mussten, die Witwen geworden waren. Fast immer wurden Frauen als Besitztum betrachtet und die Männer wachten eifersüchtig über deren sexuelle Treue, was aber verständlicherweise oft nicht zu schaffen ist. Denken wir an einen Alphabullen, der eine kleíne Herde Weibchen bewacht, zum Beispiel Antilopen. Er versucht alle anderen Männchen, die seinen Harem umschleichen, abzuwehren und zu vertreiben. Irgendwann aber werden es zu viele sein und einigen wird es gelingen, das eine oder andere Weibchen zu besamen. Es wird auch dem stärksten Alphatier nicht gelingen, das zu verhindern.
… Das gängige soziohistorische Modell besagt, dass sich beim Menschen das monogame Konzept breitflächig durchzusetzen begann, als der Mensch sesshaft wurde und arbeitsteilige Gesellschaften entstanden, aus denen sich dann an manchen Orten die bekannten Hochkulturen entwickelt haben. Was ist der Grund? Es ist bekannt, dass die Natur immer versucht, ein Ziel mit dem geringstmöglichen Energieaufwand zu erreichen. Vielleicht ist es für die Reproduktion der Gene vorteilhafter, wenn ein Mann nur eine Frau hat, an deren Náchwuchs er seine Gene weitergibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er das schafft, könnte viel höher sein, als wenn er einen Harem bewachen muss. Ein weiterer Grund könnte sein, dass für einen sozialen Aufstieg in arbeitsteiligen Gesellschaften eine gute Ausbildung immer wichtiger wurde. Für eine solche war der Váter zuständig, während die Mutter die Fertigkeiten des täglichen Lebens vermittelte. Väter begannen sich für den Nachwúchs zu engagieren, auch wenn sie die Durchführung anderen Personen überließen. Und schließlich zeichnen sich solche Gesellschaften dadurch aus, dass es etwas zu vererben gibt. Der älteste Sohn wird zu einem wichtigen Faktor in der Familie. Er soll erben, die Landwirtschaft, den Gutshof, das Unternehmen, das Vermögen, den Adelstitel und natürlich auch Fürstenwürde oder Königskrone. Es ist für den Váter extrem wichtig, dass dieser Sohn seine Gene trägt.“
… „Ich weiß schon, worauf Sie hinauswollen, Clara“, sagte Marco, „die Brüder Waldenfels hätten ein echtes Problem damit gehabt, wenn sich herausgestellt hätte, dass Paulas Mutter fremdgeschwängert worden wäre.“
… „Natürlich, Marco, es wäre für sie eine untragbare Situation gewesen. Die Familiengene sind wichtig. Das hat in der Geschichte schon bunte Blüten getrieben. Es gab zum Beispiel Germanenstämme, bei denen der Häuptling seinen Neffen, den Sohn seiner Schwester, zum Nachfolger bestimmte. Denn nur so war es garantiert, dass der nächste Häuptling sein fürstliches Blut haben würde, bei seinem eigenen Sohn konnte er sich da nicht sicher sein.“
… „Echt?“ Sandra blickte die Therapeutin überrascht an, „ist das nicht etwas paranoid?“
… Clara lächelte: „So könnte man das sehen. Aber vielleicht gab es irgendwann in der Vergangenheit Beweise für die Untreue von Häuptlingsgattinnen und dieser Brauch hat sich dann etabliert, man weiß es nicht. Aber eines zeigt sich, nämlich wie wichtig die genetische Abstammung in der menschlichen Kultur wahrgenommen wird und welcher Vorteil dadurch dem monogamen Konzept beschieden ist. Mit diesem theoretischen Rüstzeug, Sandra, erkläre ich Ihnen nun Marcos Ablehnung.“
… „Eine Sekunde“, bat Marco, „ich muss mal, bin aber sofort wieder zurück.“ Während er aufstand und zur Toilette ging, erhob sich Burkhart ebenfalls und folgte ihm.
… „Möchten Sie auch, Sandra?“, fragte die Therapeutin, „ich werde nämlich die Gelegenheit nutzen.“ Als Sandra nickte, half Clara ihr beim Aufstehen und hakte sich bei ihr unter, während sie den Raum für Damen ansteuerten.
… Als Marco neben Burkhart vor dem Pissoir stand und pinkelte, sagte er: „Wissen Sie, Burkhart, ich bewundere Ihre Frau grenzenlos. Wenn mein Respekt nicht ohnedies auf der Zugspitze angelangt wäre, würde er heute nochmals steigen. Obwohl der Abend schon weit fortgeschritten ist und sie einiges getrunken hat, doziert sie so professionell, als ob sie in einem Hörsaal stände. Ich bin nicht auf den Mund gefallen, aber das würde ich heute Abend nicht mehr fertigbringen.“
… „Ich bewundere meine Frau auch“, antwortete Burkhart schmunzelnd, „und Sie können mir glauben, dass ich alles für sie tun würde, so sehr liebe ich sie. Und ja, sie ist sehr professionell, aber sie hat deutlich weniger getrunken als Sie oder ich. Ich kenne sie jedoch genau. Sie verträgt nicht so viel und wenn der Pegel zu hoch wird, kippt sie. Nach ein oder zwei Gläsern wird es soweit sein. Aber ich kann Ihnen versichern, es wird nicht ungut mit ihr. Im Gegenteil, sie legt ihre berufliche Contenance ab und wird richtig lustig.“
… Als alle vier wieder an ihren Tisch zurückgekehrt waren, setzte Clara noch einmal an: „Wir haben also den Menschenmann Marco. Sein Verhalten wird bestimmt von zwei wesentlichen Dingen, einerseits von seinen Genen, die eine Nutzen-Kosten-Rechnung anstellen und ihn zwingen wollen, seinen gesamten Aufwand in den Überlebenserfolg ihrer eigenen Reproduktionen zu stecken. Der Menschenmann hat eine Frau, die bereits zweimal Náchwuchs geboren hat, der seine Gene trägt. Die fordern nun von ihm, alles zu tun, um das Überleben des Náchwuchses bestmöglich zu sichern. Seine Kosten sind hoch, denn es ist ein deutlich höherer und viel länger dauernder Aufwand nötig als bei anderen Tierarten.
… Andererseits hat Marco im Rahmen seiner soziokulturellen Entwicklung gelernt, was von ihm erwartet wird. Auch die steuert sein Verhalten. So ist es für ihn vollkommen selbstverständlich, dass er seine Kjnder liebt und alles für sie tut, was ihm möglich ist. Das ist eine kulturelle Errungenschaft, die erst in der jüngeren Menschheitsgeschichte aufgetreten ist. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, der Wesentliche ist sicher die hohe Kjndersterblichkeit, die erst in der mittleren Neuzeit langsam abnahm. Wenn achtzig Prozent innerhalb des ersten Jahres sterben, werden Väter kaum Gefühle entwickeln können. Außerdem waren Kijnder meist ‚Massenware‘, die Ehefrau gebar jedes Jahr eines, bis sie starb und durch die nächste Frau ersetzt wurde.
… In unserer Zeit und in unserem Kulturkreis ist die Geburtenrate drastisch gesunken. Kjnder sind heute etwas ungemein Wertvolles und das erhöht Engagement und Fürsorge sehr deutlich gegenüber früher. Auch entwicklungsgeschichtlich relativ jung, eigentlich sehr jung, ist die Bereitschaft der Väter, sich viel stärker in die Betreuung der Kjnder einzubringen. Es wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit, dass Väter sich den Aufwand für Aufzucht und Betreuung mit ihren Frauen teilen, im Prinzip so, wie wir das von vielen Vogelarten kennen. Der Váter versorgt, betreut und erzieht das Kjnd zusammen mit der Mutter. In einer modernen Familie, in der beide Eltern arbeiten, ist das heute üblich. Das bedeutet, dass der Aufwand und damit die Kosten für die Väter gewaltig gestiegen sind.
… Auch unser Menschenmann Marco verhält sich so wie gerade beschrieben. Er hat zwar einen intensiven Job, trotzdem tut er, was er kann für seine Kjnder. Seine Gene hindern ihn nicht, natürlich nicht, denn alles dient dem von ihnen angestrebten Nutzen.
… Doch plötzlich platzt ein Störfaktor in diese Idylle. Das nächste Kijnd ist unterwegs und die Zeichen deuten darauf hin, dass sich Marcos Gene in diesem Fall nicht reproduzieren konnten. Das wäre an und für sich kein Problem, denn zweimal ist das ja schon gelungen, aber die Gene sehen ihren Nutzen trotzdem in Gefahr. Sie steuern sein Denken, indem sie ihm einflüstern: ‚Ein genfremdes Kijnd, bist du dir im Klaren, was das bedeutet? Willst du Zeit, Kraft, Energie und nicht zuletzt Geld investieren? Da deine Ressourcen nicht vermehrbar sind, musst du alles, was du dem fremden Kjnd zukommen lässt, deinen ‚richtigen‘ wegnehmen. Was ist, wenn der Bedarf an Betreuung groß ist, wenn das fremde Kjnd dauernd krank ist oder sonst Probleme hat? Du weißt, wieviel Mühe und Plage das erzeugen kann, wie anstrengend das sein und wie es dich aufreiben wird. Willst du, dass deine eigenen Kjnder darunter leiden?‘ Dann meldet sich Marcos soziokulturelle Konditionierung: ‚Willst du wirklich die volle Verantwortung als Váter für ein fremdes Kijnd übernehmen? Es wird rechtlich dein Kiind mit allen Konsequenzen. Was ist, wenn es auf die schiefe Bahn gerät? Was ist, wenn eure Familie gestört wird, weil plötzlich der biologische Váter auftaucht und lästig wird? Es gibt so viele Möglichkeiten, wie die Situation in eurem sozialen Umfeld leiden kann. Was ist, wenn du im Kollegen- oder Freundeskreis ausgelacht wirst als gehörnter Ehemann, der brav die Folgen dessen schluckt, was seine Frau angerichtet hat? Willst du das alles wirklich auf dich nehmen?‘
… Während Marcos Gedanken auf diese Weise gesteuert werden, regt sich in seinem Unterbewusstsein eine Gegendarstellung: ‚Vielleicht muss ich das alles auf mich nehmen, denn ich liebe meine Frau mehr als alles in der Welt. Eine Trennung kann ich ihr nicht antun‘, antwortet er seinen Genen und seiner Konditionierung.
… ‚Ach wirklich?‘, reagieren die Gene des Menschenmannes, ‚du willst deinen eigenen Kjndern, die du mindestens genauso liebst, Schaden zufügen, um solchen von deiner Frau abzuwenden?‘ Und seine soziokulturelle Seite ergänzt: ‚Bist du sicher, dass deine Frau dich ebenso liebt? Wenn sie das täte, würde sie den Schaden, den sie angerichtet hat, selbst beseitigen. Sie hat dich betrogen und verletzt, will aber die notwenigen Konsequenzen nicht ziehen, sondern auf dich abwälzen. Und das willst du wirklich schlucken? Das nennst du Liebe? Ganz ehrlich, willst du einen Waschlappen spielen, über den man sich lustig macht?‘ … Verstehen Sie, Sandra, was hinter Marcos Ablehnung steckt?“
… Clara schwieg jetzt und schaute Sandra direkt in die Augen. Sie schien nicht darauf zu achten, wie ihr Mann nun Marco zuzwinkerte und leise sagte: „Das war bühnenreif, was Clara hier gesagt hat. Eine trockene Materie in einen humorvollen Dialog zu kleiden, bringt nur sie fertig. Es beginnt schon, was ich Ihnen auf der Toilette angekündigt habe.“
… Marco nickte ihm schmunzelnd zu und wollte gerade etwas erwidern, als Sandra, die nach Claras Ausführungen zunächst ziemlich betroffen schien, sich jetzt zu ihrem Mann drehte: „Das hast du gedacht, Marco? Das hat in deinem Kopf herumgespukt?“
… „Eigentlich …“, wollte Marco beginnen, doch die Therapeutin unterbrach ihn: „Verzeihen Sie, lassen Sie mich darauf antworten. Nein, Sandra, das hat Ihr Mann nicht bewusst gedacht. Das konnte er gar nicht. Das war seine Konditionierung, die solches in sein Unterbewusstsein gespeichert hat. Kein Mann ist frei davon. Man kann nur darüber hinwegkommen, wenn man sich aktiv damit auseinandersetzt und die resultierende Ablehnung aufarbeitet. Wie gesagt, deshalb habe ich vorhin eine psychologische Betreuung ins Spiel gebracht. Und ich habe erwähnt, dass ‚Verantwortung‘ eine wichtige Rolle spielt. Die Verantwortung für ein Kjind zu übernehmen, ist eine der wichtigsten Aufgaben innerhalb einer Familie, wenn nicht die Wichtigste überhaupt. Man lässt sich ein Menschenleben anvertrauen und begleitet es die nächsten fünfundzwanzig Jahre, in guten wie in schlechten Zeiten, genau wie eine Ehe funktionieren soll.
… Wenn der Ehemann das fremdgezeugte Kjind und die Verantwortung dafür ablehnt und die Ehefrau andererseits von Abtreibung, Adoption oder Pflege nichts wissen will, wird das die Familie spalten. Das hätte Ihnen geblüht, Sandra. Denn es ist nicht denkbar, dass das fremdgezeugte Kjnd in der Familie bleibt, aber nur die Mutter sich darum kümmert, nicht aber der Ehemann. Es geht auch von der Arbeitsverteilung her nicht. Die Ehefrau hat Wochenenddienst, ihr Mann übernimmt nur seine eigenen Kjnder und die Ehefrau kann schauen, wo sie ihr anderes unterbringt. Der Váter kocht, aber nicht für das fremde Kjnd. Dieses existiert für ihn nicht. Es bekommt nicht vorgelesen, keine Geschenke zum Geburtstag, keine Liebe vom vermeintlichen Váter. Wie soll das funktionieren? Selbst wenn der Erzeuger ab und zu auftaucht, sozusagen als Dritter im Bunde, ist das ein vollkommen unrealistisches Familienkonzept. Das alles, meine liebe Sandra, hat Ihr Mann nicht durchgedacht, woher hätte er auch all diese Konsequenzen parat haben sollen? Nein, sein Unterbewusstsein hat für ihn gedacht und tut es noch heute, stimmt’s Marco?“
… Marco nickte, aber es war ihm nicht wohl bei dieser Frage. Ganz klar, die Therapeutin hatte Recht, soweit er das im Moment erkennen konnte, aber wie würde Sandra das aufnehmen?
… Aber er hatte seine Frau unterschätzt. „Wow, Clara“, antwortete sie nun nach einer Weile, in der sie sich gesammelt hatte, „das sind viele Argumente. Ich weiß ja, was mein Mann für seine beiden Kjnder tut, von Jonathan ganz abgesehen. Und ich kann sicher sein, dass er das auch für unser neues Báby tun wird. Aber ich verstehe jetzt, welches Problem er hätte, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch wäre, dass dieses Báby nicht von ihm ist. Er könnte diese gesamte Verantwortung nicht übernehmen. Das Kijnd könnte nicht in der Familie aufwachsen. Und für mich hieße es entweder Trennung vom Mann oder vom Kijnd.“
… „Das haben Sie vollkommen richtig verstanden, Sandra. Marco hat damals nicht anders können. Es hätte dazu eine psychotherapeutische Betreuung gebraucht und selbst mit einer solchen wäre das Ergebnis nicht sicher gewesen.“
… Sandra beugte sich daraufhin wieder zu ihrem Mann. Sie streckte ihre Arme aus und legte sie um seinen Hals. „Offenbar habe ich deine Liebe auf eine zu harte Probe gestellt. All’ das habe ich nicht geahnt.
… „Mein Liebling, es ist alles in Ordnung, nur das musst du wissen.“ Marco nahm ihre Hände und küsste sie. Dann wandte er sich an die Therapeutin: „Aber warum hat Sandra das nicht sehen können? Warum hat sie nicht ähnliche Gedanken gehabt, nein falsch …“ Marco spürte, dass der Wein ihn auf eine falsche Fährte gelockt hatte, „nein, ich wollte sagen, warum hat ihr Unterbewusstsein nicht so reagiert wie meins?“
… „Das ist sehr einfach zu beantworten, Marco“, erwiderte Clara, „das weibliche Unterbewusstsein tickt anders als das männliche. Auch wenn eine Frau ihren Mann noch so sehr liebt, in dem Moment, in dem sie ihre Schwangerschaft erkennt, wird ihr Kjnd Vorrang haben. Auch wenn sie ihren Mann als Begleiter braucht, auch wenn sie die Geburt mit ihm erleben will, das Kjnd wird ihr viel, viel wichtiger. Und dabei tritt für sie zunehmend in den Hintergrund, wer der Erzeuger ist. Wenn es ihr Mann ist, dann ist es wunderbar, aber wenn nicht, wird sie damit leben. Sie weiß zwar, was sie ihrem Mann in diesem Fall antut, aber sie optimiert nur die Chancen für ihr Kjnd. Sie wird also vielleicht versucht sein, ihrem Mann möglichst lange zu verschweigen, dass das Kjind nicht von ihm ist, wohl ahnend, dass sie sich damit möglicherweise irgendwann in eine unhaltbare Position manövriert. Aber sie hat natürlich das Ziel, ihren Mann als Partner für Brutpflege und Aufzucht zu erhalten. Wie es der Ehefrau dabei emotional gehen wird, haben wir schon besprochen.
… Genauso wäre Sandra vermutlich vorgegangen, wenn Sie nichts von ihrer Fremdschwängerung erfahren hätten. Sie wäre am Betrug an Ihnen fast zerbrochen, aber sie hätte für das Kijnd alles getan. So aber haben Sie‘ darüber Kenntnis erhalten. Sie waren nicht bereit, den werdenden Váter zu spielen, und die Gründe dazu konnte Sandra nicht wissen und daher auch nicht verstehen. Damit war der Weg zur Abtreibung vorgezeichnet, denn für Sandra war intuitiv klar, dass sie andernfalls ihr Kjnd allein hätte großziehen müssen. Es war clever von Ihnen, Marco, Ihre Frau alle Verwandten und Freunde telefonisch um deren Meinung abklappern zu lassen, denn es war vorauszusehen, wie das Ergebnis ausfallen würde. Akzeptierte fremdgezeugte Kjnder sind in unserer Gesellschaft eben die Ausnahme.“
… „Ja“, meinte Sandra nun, „auch meine Eltern waren für die Abtreibung, das hat mich überrascht. Ich habe gedacht, sie würden zu mir halten.“
… „Vermutlich würden sie das normalerweise auch tun. Aber hier ging es um die Zukunft Ihrer Familie. Da hatten sie ihre eigene Meinung und die war wichtiger, als Sie zu unterstützen, Sandra. Auch Ihre Mutter hat das klar erkannt. Niemand aus Ihrem Umfeld wollte Ihre Scheidung. Und Sie wissen selbst, meine Liebe, dass es darauf hinausgelaufen wäre.“
… „Ja, das verstehe ich. Aber darf ich noch eine Frage stellen, Clara?“
… „Aber natürlich, schießen Sie los!“
… „Warum war Marco dann so viel gelassener, als er von meiner Schwangerschaft mit Yannik erfuhr? Das war nur ein Jahr später.“
… „Darf ich meine Meinung dazu sagen?“ Marco wandte sich an die Therapeutin.
… „Nur zu, Marco.“
… „Ich glaube, dass ich gefühlsmäßig nicht denselben Fehler machen wollte wie ein Jahr zuvor.“
… „Ja, das hat sicher mitgespielt, aber das ist nur eine teilweise Antwort, denn die betraf nur die Konsequenz, nämlich eine mögliche Abtreibung. Der Reihe nach, meine liebe Sandra, hat Marco folgende Empfindungen durchlebt: Zunächst hat sich seine im Unterbewusstsein verborgene Liebe gemeldet, die ihn traurig werden ließ. Natürlich, denn Ihre Schwangerschaft bedeutete, dass eine Wiedervereinigung in noch weitere Ferne rücken würde als sie das ohnedies schon war. Gleichzeitig verspürte er Erleichterung, dass der Erzeuger David war, sein bester Freund. Damit würde er umgehen können. Und schließlich seine Gene und soziokulturelle Konditionierung, die ihm in egoistischer Weise zuflüsterten: ‚Kein Ding, Alter. Lass‘ sie schwanger werden von wem sie will. Schließlich lebt ihr nicht zusammen, sie muss selber schauen, wie sie klarkommt. Hauptsache, du wirst nicht den Váter spielen, hast keine Verantwortung und deine eigenen Kjnder haben weiter deine volle Aufmerksamkeit‘. Daraufhin haben Sie Ihrer Frau deutlich zu verstehen gegeben, dass Sie nicht als Váter zur Verfügung stehen werden, das werde Davids Aufgabe sein. Aber auch, dass Sie nicht auf einer Abtreibung bestehen, sondern Ihrer Frau zustimmen, dass sie das Kjind behalten kann, ergab sich daraus logisch.“
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Heute (Donnerstag, 14. September 2023)
… Gerade habe ich schmunzeln müssen, während ich den letzten Absatz eingetippt habe. Man kann nie voraussehen, was das Schicksal vorbereitet hat. Es stimmt, ich habe Sandra nachdrücklich klargemacht, dass ich für ihr außereheliches Báby nicht den FamilienVáter spielen würde, und sie hat das auch akzeptiert. In den ersten Jahren danach hat das problemlos gehalten. Auch als Sandra und ich wieder zusammengekommen sind, war Yannik kein Diskussionspunkt für unsere Familie, er lebte ja bei seinem Váter in Ohio. Durch unsere regelmäßigen Besuche ist er mir liebgeworden, aber nicht als Sohn, sondern eher wie in einer Onkel-Neffe-Beziehung.
… Yannik war sieben, als er seinen leiblichen Váter verlor, und acht, als er mit seiner Familie zu uns nach Deutschland gezogen ist. Ich hatte auch da nie geplant, die Váterrolle bei ihm zu übernehmen. Er wusste über seine Abstammung natürlich Bescheid, wie alle Kjnder unserer Großfamilie, er wusste, dass ich der Mann seiner leiblichen Mutter und der beste Freund seines Váters war und er kannte die Geschichte von Sandras Fremdschwängerung, der er entstammte, natürlich ohne die pikanten Details.
… Yannik selbst hat mich zu seinem Váter gemacht. Als er mich zum ersten Mal ‚Dad‘ nannte, konnte ich nicht anders, als sehr gerührt zu sein, und seine beiden Mütter, Penny und Sandra, waren darüber glücklich. Zu diesem Zeitpunkt liebte ich ihn bereits wie meine eigenen beiden Söhne, und so ist es bis auf den heutigen Tag geblieben. Er ist zu einem großartigen jungen Mann herangewachsen und ich sehe heute mehr denn je meinen verstorbenen besten Freund in ihm. Übrigens haben mich auch Davids andere beiden Kjnder, die er mit Penny hatte, Dominic und Charlotte, ungefähr gleichzeitig als ihren Váter ‚adoptiert‘.
… Einen wesentliche Erfahrung habe ich daraus gewonnen: Als Mann kann man auch das fremdgezeugte Kijnd seiner eigenen Frau lieben lernen, man kann seine im Inneren agierende Konditionierung überwinden, man muss nur entsprechend Zeit bekommen, das mit sich selbst und seiner Ehefrau zu klären, gegebenenfalls unter der Steuerung einer guten Therapeutin. Eine plötzliche Konfrontation mit einem Fait accompli dagegen wird fast nie ein gutes Ende bringen.
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… Es war ein schwieriges Kapitel, das ich nun endlich in trockene Tücher gebracht habe. Drei Tage habe ich herumgetüftelt, wie ich Claras Gedanken sauber in mein Notebook tippe. Vermutlich hat sie damals noch mehr gesagt, aber ich war schon einigermaßen angesäuselt und habe nicht mehr alles im Kopf behalten. Bevor ich zu schreiben begonnen habe, habe ich Sandra befragt, aber die kann sich an noch weniger erinnern, obwohl sie damals komplett nüchtern gewesen ist.
… Wie auch immer, ich habe bei meinen zahlreichen Recherchen zum Thema ‚Fremdschwängerung‘ alles bestätigt gefunden, was Clara Millstedt uns erzählt hat, und zwar punktgenau. Wie üblich, habe ich Einzelfälle gefunden, die von der statistischen Norm abwichen, aber das waren nur wenige. Meine Ergebnisse bestätigten Claras Aussagen in beeindruckender Weise.
… Überall dort, wo das Thema ‚Außerehelicher Sex‘ in Paarbeziehungen eine Rolle spielt, egal in welcher Form, schwingt das Thema ‚Fremdschwängerung‘ im Hintergrund mit. Und da die Lösung von Problemen in der Ehe zu den Kernelementen vieler meiner Vorträge gehört, sind diese beiden Themen auch immer wieder dabei. Ich bringe dann in statistischer Form die Ergebnisse meiner Recherchen und ernte Erstaunen und manchmal auch negative Reaktionen. Der Zugang, den mein Publikum dazu hat, hängt sehr stark von dessen Provenienz ab. Junge Menschen, Studenten, mit einer entsprechend idealistischen Einstellung zu Liebe und Ehe, bleiben oft schon bei meinen Analyseergebnissen hängen und diskutieren mit mir über diese. Im Beruf stehende, erfahrene Therapeuten und Mediziner haken meine Analysen ab, die leuchten ihnen sofort ein, sie diskutieren mit mir lieber über Lösungen.
… Wenn wir die medizinisch indizierten Fälle und eventuelle männliche Psychosen beiseitelassen, erfolgt eine Fremdschwängerung praktisch immer ohne Wissen und Zutun des Ehemanns. Es handelt sich dabei entweder um eine gewollte und geplante Maßnahme der Ehefrau, aus welchen Gründen auch immer, oder um eine unbeabsichtigte Zeugung, also einen ‚Unfall‘. Das gilt bei jeder Form von außerehelichem Sex, auch solchem, der gemeinsam vom Ehepaar arrangiert wurde, wie zum Beispiel einem simplen Partnertausch.
… Großangelegte Analysen zu Anzahl und Art von Fremdschwängerungen gibt es nur wenige und damit kaum statistische Aussagen. Wir kennen also keine Zahlen, wir können aus den vorhandenen Auswertungen nur mutmaßen. Sehen wir uns das näher an: Einigermaßen gesicherte Statistiken zeigen, dass der Anteil der Frauen, die aktiv verhüten, rückläufig ist. Besonders die Pille wird deutlich weniger nachgefragt als noch vor zehn Jahren. Die Ursachen sind nicht bekannt. Gleichzeitig steigt die Anzahl gebärfähiger junger Frauen, die außerehelichen Sex haben. Dazu habe ich mich bereits ausgiebig geäußert. Es gibt Umfragen, wonach etwa zehn Prozent der fremdgehenden Frauen ungeschützten Sex haben. Das ist die eigentlich alarmierende Aussage, denn das sind diejenigen mit potenzieller Fremdschwängerung, vom gesundheitlichen Risiko möchte ich hier nicht sprechen.
… Aber andererseits sagen wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema „Kuckuckskiinder“, dass die Anzahl solcher Kijnder zu keiner Zeit so hoch war wie angenommen und sich anscheinend verringert. Noch vor etwa zwanzig Jahren wurde deren Zahl von Experten auf zehn bis fünfzehn Prozent eingeschätzt, tatsächlich dürften es heute weniger als zehn Prozent sein. Diese Zahl lag in früheren Jahrhunderten sicher höher, aber das hatte mehrere Gründe. Für einen typischen Familienvater, einen Bürger oder Bauern, war der erstgeborene Sohn wichtig, alle anderen Kjnder waren ‚Mitläufer‘. Es war ziemlich egal, ob sie da waren oder nicht, der Hausherr hatte wenig Interesse an ihnen und auch keine Mühe und Arbeit mit ihnen. Wenn ein oder zwei Kuckuckskijnder dabei waren, störte das niemanden, schon gar nicht bei der hohen Kjndersterblichkeit. Warum auch? Der Hausherr hatte selbst seine Fremdbeziehungen und setzte dort ebenfalls Kuckuckskiinder in die Welt. Er konnte sich ausrechnen, dass der Knecht oder der Kompagnon seine Frau bestiegen, wenn er einige Tage auf Reisen war. Wer welches Kijnd zeugte, war ja nicht nachweisbar.
… Manche Wissenschaftler meinen, dass Menschenfrauen es nicht anders machen als die Weibchen bei vielen Tierarten, nämlich dass sie sich Geschlechtspartner für ihren Náchwuchs aussuchen, deren Gene ihnen möglichst optimal erscheinen. Das könnte durchaus so sein. Lange Zeit war es in unserer Gesellschaft so, dass Frauen verheiratet wurden, sie sich also ihre Ehepartner nicht aussuchen durften. Meist waren das nicht die mit den ‚optimalen‘ Genen. Also waren diese Frauen besonders anfällig für Fremdsex, um zumindest das eine oder andere Kijnd auf diese Weise zu bekommen. Wie gesagt, das ist eine Hypothese, wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
… Was aber belegt ist: Heutige Frauen haben jede freie Wahl, sich ihren Ehepartner selbst auszusuchen. Sie haben also auch die Möglichkeit, ihn sozusagen ‚genetisch abzuklopfen‘, ob er ihren Vorstellungen für den zu erwartenden Náchwuchs entspricht. Damit entfällt eigentlich jeglicher Grund, sich einen anderen Mann für eine Zeugung zu suchen. Und daraus ist unser gesellschaftlicher Grundkonsens entstanden: Wenn ein Kijnd in einer Ehe zwischen Mann und Frau entsteht, soll es genetisch ein Abkömmling der beiden sein. Das ist auch die grundsätzliche Annahme, wenn das Kjnd in das Geburtenregister eingetragen wird. Alle Abweichungen davon müssen erst bewiesen werden. Das ist auch gut und richtig, denn es schafft Rechtssicherheit. Aber es schafft auch gesellschaftliche und juristische Dramen, wenn nachgewiesen wird, dass das Kjnd doch nicht vom Ehemann ist.
… Die Anzahl der Kuckuckskijnder ist scheinbar geringer als noch vor zwanzig Jahren, obwohl die Verhütungsdisziplin nachgelassen hat und es mehr fremdgehende Ehefrauen gibt als früher. Irgendetwas muss also im Verhalten anders sein. Ich habe Zugriff auf mehrere Reihen anonymer Interviews und zusätzlich über zweihundert bisher selbst durchgeführt. Diese zeigen, dass doch – im Gegensatz zu den von mir genannten Umfragen – aufgepasst wird, wenn die Frauen ihre fruchtbaren Tage haben. Die natürliche Verhütung, nämlich Vermeidung von Fremdsex zu diesen Zeiten, spielt eine große Rolle, ebenso Coitus interruptus und die Pille danach, wenn sich die Frau über ihre Tage nicht sicher ist.
… Und wenn die Ehefrau trotzdem schwanger wird und aufgrund des errechneten Zeugungstermins auch ein anderer Mann als ihr Ehemann in Frage kommt, verschafft sie sich oft Gewissheit. Pränatale Tests habe ich schon erläutert und die sind seit Jahren im Kommen. Leider gibt es dazu überhaupt keine statistischen Zahlen, die Labore halten sich bedeckt, denn in Deutschland sind diese Tests nicht legal. Völlig unverständlich, denn eine bessere Methode, Leid von einer Familie festzuhalten, die ansonsten gut harmoniert, gibt es nicht. Nicht wenige Frauen haben berichtet, dass sie eine nicht vom Ehemann stammende Schwangerschaft durch eine medikamentöse Abtreibung beendet haben, entweder heimlich oder in gemeinsamer Entscheidung mit ihrem Mann. Und für alle, die den zunächst härteren Weg gewählt haben, nämlich ihren Mann einzuweihen, war die Abtreibung viel leichter zu bewältigen, geteiltes Leid ist halbes Leid.
… Natürlich ist die Zahl der ausgewerteten Ergebnisse noch viel zu gering, um als statistisch belegbare wissenschaftliche Aussagen gelten zu können, aber die große Bandbreite der Frauen und auch Ehepaare, die bereit gewesen waren, sich zu äußern, vermitteln für mich schon einen klaren Trend.
… Danach ist eines ganz deutlich: Die meisten Frauen haben überhaupt kein Interesse, ein außereheliches Kijnd auf die Welt zu bringen, und möchten verhindern, dass etwas Derartiges passiert. Sie wissen, welche Gefahr das für ihre Ehe bedeutet, und selbst diejenigen, die ihren Mann immer wieder sexuell betrügen, würden nicht so weit gehen. Wenn uns die Pornoindustrie mit Filmen und Geschichten weismachen will, dass normaldenkende Ehefrauen es beim Fremdgehen als besonders geil empfinden, wenn sie dabei geschwängert werden könnten, ja das das gar ein besonderer Kick für sie sei, so ist das grober Unfug. Warum sollte sie einen Kick dabei fühlen, wenn sie gerade dabei ist, ihre Ehe massiv zu gefährden?
… Eine andere Art der Argumentation erlebe ich manchmal bei meinen Vorträgen. In der Diskussion werde ich mitunter mit Aussagen wie dieser konfrontiert: „Warum ist das ein Problem, wenn der Ehemann nicht der biologische Váter ist? Der Erzeuger ist doch unwichtig, es zählt schließlich nur, dass der Ehemann das Kijnd lieben lernt und sich selbst als Váter betrachtet.“
… Ich pflege solche Fragen in einzelne Punkte zu zergliedern und wir diskutieren dann meist sehr produktiv darüber. Im Prinzip verwende ich ziemlich genau die Argumente unserer Psychotherapeutin von damals.
… „Wir müssen eine Tatsache klar herausarbeiten“, pflege ich zu beginnen, „nämlich dass es hier ausschließlich um die Empfindungen des Ehemannes geht. Auch wenn Sie, meine Damen, noch so emanzipiert sind, in diesem Fall müssen Sie die männliche Denkweise zulassen und akzeptieren. Denn für die Ehefrau ist das Problem nicht vorhanden, es ist genetisch in jedem Fall ihr Kjnd. Wenn die Ehefrau die Ehe fortführen möchte, fast immer will sie das, muss sie mitfühlen lernen, wie ihr Mann empfindet, denn es bringt ihr nichts, sich durchsetzen zu wollen und ihr Mann dann nicht mitspielt.“
… Ich erkläre dann der Zuhörerschaft mit ähnlich launigen Worten wie damals Clara Millstedt, wie Männer ticken, wenn es um Fremdschwängerung geht, und warum es wichtig ist, dass die Ehefrau frühzeitig ihren Mann informiert, ihm dadurch ausreichend Zeit für seine Meinungsbildung einräumt und sich letzten Endes seiner Entscheidung unterwirft, wie weiter vorzugehen ist. Wenn er sich zutraut, das Kjnd anzunehmen, so sollte sie sich dafür dankbar erweisen. Wenn er eine Abtreibung möchte, wird sie eine solche akzeptieren müssen. Und wenn er ihr nicht verzeihen kann, wird sie gegen eine Trennung nichts machen können.
… Und danach erläutere ich die Ergebnisse, die sich aus Interviews mit betroffenen Ehemännern ergeben haben. Ob ein Ehemann seiner Frau vergeben und das Kjnd annehmen kann, hängt wesentlich von zwei Punkten ab: Zum einen vom Zeitpunkt, zu dem er Kenntnis von der Fremdzeugung erhält, und zum anderen, wie stabil seine Ehe und wie gut seine Ehefaktoren im Moment sind. Und anschließend dann oft auch, ob das Ehepaar eine gute psychologische Beratung erhält.
… Wenn eine Frau Zweifel hat, ob das Kjnd von ihrem Mann ist, oder das sogar sicher weiß und ihrem Mann diese Information vorenthält, ihm gegenüber also so tut, als sei das Kjnd von ihm, und das Kjnd schließlich zur Welt bringt, so ist das eine betrügerische Vorgehensweise. Wenn die Ehefrau nicht ausgesprochen hartgesotten ist, wird sie die gesamte negative Gefühlswelt durchleiden, die ich bereits beschrieben habe.
… Der Betrug mag im Verborgenen bleiben, wenn die Betroffenen bis zum Lebensende nichts davon erfahren. Der Ehemann wird das Kijnd zunächst als sein eigenes lieben und aufziehen. Aber irgendwann kann es herauskommen, heutzutage mehr denn je, wie ich bereits geschildert habe. Die Auswirkungen sind dann brutal. Der Ehemann wird gefühlsmäßig in einen Abgrund gerissen und er wird seiner Ehefrau diesen massiven Betrug nicht verzeihen, ja es kann sogar sein, dass er sie zu hassen beginnt. Und auch seine Beziehung zum betreffenden Kjind wird sich ändern. Je kürzer die Geburt zurückliegt, desto mehr wird er es ablehnen, und je länger eine gute Váter-Kjind-Beziehung besteht, desto weniger wichtig wird die genetische Abstammung und er wird es weiterhin akzeptieren und lieben.
… Wenn das Kjnd genug ist, um die Zusammenhänge zu begreifen, wird es ebenfalls in ein Gefühlschaos gestürzt. Und es ist durchaus nicht selten, dass sich auch das Kjnd betrogen fühlt und sich von seiner Mutter distanziert. Das ist etwas, was Frauen in ähnlichen Situationen unterschätzen. Sie könnten nicht nur ihren Mann, sondern auch ihre Kjnder verlieren. Das Ergebnis ist eine zerrüttete Familie und eine Ehefrau, die vielleicht ganz allein dasteht.
… Ich schildere gerne einen solchen Fall, einen ziemlich ausgefallenen, der mir vor fünf Jahren zur Kenntnis gebracht wurde. Ich habe in Europa und Nordamerika ein Netz von mir freundschaftlich verbundenen Fachleuten aufgebaut, die mich immer wieder mit entsprechenden Informationen versorgen. Der betreffende Fall kam aus Luxemburg und ich bin für zwei Tage hingefahren, natürlich zusammen mit meiner Frau, denn ich sorge dafür, dass sie mich möglichst zu allen meinen Reisen begleitet so wie ich sie zu ihren.
… Der dortige Fall betraf eine Familie, bestehend aus einem Großváter, nennen wir ihn Pierre, zwei Kijndern mit Ehepartnern, zu jener Zeit so um die vierzig, und sechs Enkeln im Teenageralter und zum Teil jünger. Wir haben einen Nachmittag mit ihnen verbracht, aber ohne die Enkel, denn die sollten nichts erfahren. Eigentlich war es ein amüsanter Nachmittag, die Leute waren charmant und nett und konnten, für uns vollkommen überraschend, einigermaßen humorvoll über ihre Familiengeschichte berichten, die ich eigentlich eine Tragödie bezeichnen würde, allerdings eine, die dann doch ein gutes Ende gefunden hatte, zumindest für die Opfer der Geschichte.
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… Pierre, der Großvater, feierte seinen siebzigsten Geburtstag. Seine Frau hatte ein Fest organisiert. Die gesamte Familie war da, dazu weitere Verwandte und Freunde. Die Stimmung war ausgelassen und alle ließen den Jubilar hochleben. Doch der schien nicht ganz bei der Sache. Immer wieder tastete seine Hand in die Brusttasche seiner Jacke, als habe er dort etwas sehr Wertvolles versteckt.
… Viel später, nach Mitternacht, als nur noch die erwachsenen Verwandten anwesend waren, erkannte er die Gelegenheit für günstig und zog einige Papiere heraus. Er stand auf und blickte sich um. Zwölf Personen saßen entspannt im Wohnzimmer, Weingläser in der Hand und eifrig in Gespräche vertieft.
… „Nachdem mir heute so nette Geschichten und Gedichte zuteil geworden sind, möchte ich auch noch etwas zum Besten geben. Keine Angst, es wird nur wenige Minuten dauern“, sagte er. Alle Gäste, auch seine Frau, blickten ihn gespannt an. „Ich muss vorausschicken, dass ich jetzt aus einem kurzen Brief eines gewissen Werner vorlesen werde, den dieser am 3. Mai 1976 an meine Frau geschrieben hat.“
… Pierre begann laut zu lesen: „Mein liebste Magda! Ich verstehe deine Nöte. Du bist schwanger und vermutlich nur ich komme als Váter in Frage. Du schreibst, dass dein Mann zur fraglichen Zeit auf Dienstreise war. Bitte prüfe das noch einmal ganz genau. Wenn es wirklich so ist, werde ich meine Pflichten natürlich erfüllen. Dann musst du deinen Mann verlassen und zu mir kommen.“
… Pierre blickte in die Gesichter seiner Gäste. Magda war blass geworden und die Gäste seiner Geburtstagsfeier waren ratlos. Sie wussten nicht, wie sie diesen Brief verstehen sollten.
… „Gleich wird es klarer“, erklärte Pierre, „ich lese noch einen Brief vor, wieder von diesem Werner. Er wurde zwei Jahre später geschrieben, am 5. August 1978.“ Er blickte seiner Frau in die Augen und die starrte ihn an wie das sprichwörtliche Kaninchen die Schlange. „Mein geliebte Magda! So soll es denn sein.“ Er unterbrach sich und warf ein: „Das ist der geschwollene Stil der Siebziger, aber alles ist gut verständlich.“ Er sah wieder auf den Papierbogen in seiner Hand und fuhr zu lesen fort: „Du wirst ein zweites Kijnd von mir kriegen und wieder darf ich nicht der Váter sein. Es fällt mir schwer, zu akzeptieren, dass dir die Stellung deines Mannes so wichtig ist, dass du darauf nicht verzichten willst, obwohl du mich liebst, wie du mir seit vier Jahren immer wieder versicherst. Du wirst also deinem Mann jetzt unser zweites Kjnd unterschieben und irgendwie ist mir das gar nicht recht. Aber was soll ich machen?“ Bedeutungsvoll hatte Pierre seine Stimme angehoben.
… „Ich glaube, mehr muss ich nicht vorlesen, nicht wahr, meine Lieben, nicht wahr, Magda?“ Pierre schwieg nun still. Tränen traten in seine Augen. Er hatte diesen Auftritt zig Male geübt, trotzdem rang er nun um seine Fassung. Dafür waren die Gäste vollkommen entsetzt. Sie blickten zuerst auf den Jubilar und danach auf seine Frau. Die war in ihrem Lehnstuhl zusammengesunken, ihr halbvolles Glas war aus ihrer Hand geglitten und hatte sich auf ihren Schoß und den Fußboden entleert. Entgeistert sah sie ihren Mann an, offenbar zu keinem Gedanken fähig. Es war ganz still im Wohnzimmer.
… Pierre hatte seine Tränen zurückgedrängt, aber eine unsagbare Traurigkeit hielt ihn nun gefangen: „Du warst die Liebe meines Lebens, Magda“, sagte er leise „und wir sind seit fast fünfzig Jahren zusammen. Ich habe dir immer voll vertraut und du hast mich betrogen, in einem ungeheuren Ausmaß, über Jahre.“
… Magda begann zu schluchzen. Sie schlug ihre Hände vors Gesicht und wurde von Weinkrämpfen geschüttelt. Dazwischen brachte sie einige abgehackte Worte heraus: „Ach Pierre … das ist doch … lange her … und seither … war ich immer treu … ich schwöre … kannst du … verzeihen.“
… „Unsere Kijnder sind nicht von mir.“ Pierre war jetzt lauter geworden: „Hörst du, Magda? Du hast mir beide Kjnder untergeschoben und mich vierzig Jahre lang belogen, bis heute. Ich war so stolz auf die beiden und auf unsere Enkel. Aber es sind nicht meine, dafür hast du gesorgt. Meine Welt ist zusammengebrochen und du bist schuld. Nein, ich werde dir nie verzeihen.“ Pierre setzte sich wieder in seinen Stuhl und jetzt war er es, der sein Gesicht in seinen Händen barg.
… „Pierre, bitte … es gab Gründe …“, versuchte seine Frau eine Rechtfertigung.
… „Die will ich nicht wissen“, schnitt er Magda das Wort ab, „du hast vierzig Jahre geschwiegen, da war Zeit genug, mir reinen Wein einzuschenken. Das hast du nicht gemacht und wir müssen jetzt alle mit den Folgen fertigwerden.“
… Die anwesenden Verwandten hatten sich jetzt aus ihrer Schockstarre befreit und ein erregtes Stimmengewirr schwirrte durch den Raum. Fragen wurden gestellt und Ratlosigkeit war zu spüren, bis Pierres Sohn das Wort ergriff und alle übertönte: „Stimmt das, Máma? Pápa ist nicht unser Váter?“
… Magda blickte zu ihrem Sohn auf und mit tränenerstickter Stimme versuchte sie erneut, diesen Vorwurf zurückzuschieben. „Natürlich ist Pápa euer Váter.“ Sie riss sich zusammen und sprach wieder in ganzen Sätzen. „Er war immer da, wenn ihr ihn brauchtet. Es saß nachts an eurem Bett, wenn ihr krank wart, er hat euch vorgelesen, hat mit euch gelernt, hat euch die Welt gezeigt, hat euch Schifahren und Schwimmen gelehrt, mit euch Berge bestiegen. Was wollt ihr noch hören? Er ist ein perfekter Váter für euch gewesen und ist es immer noch.“
… Ihr Sohn sah sie an. Sie hatte natürlich Recht, das erkannte er genau. „Dann lass‘ es mich anders formulieren. Pápa ist nicht unser biologischer Váter, sondern dieser Werner, stimmt das? Du hast uns nur glauben lassen, dass wir von Pápa abstammen. Du hast nicht nur Pápa, sondern auch uns beide angelogen, in all den Jahren. Und sag‘ jetzt die Wahrheit, Mamma!“
… „Ich sag‘ ja die Wahrheit. Es stimmt, Werner ist mit hoher Wahrscheinlichkeit euer biologischer Váter. Aber es besteht eine Chance, dass es Pierre ist.“
… Jetzt schaltete sich Pierre wieder ein: „Red‘ keinen Blödsinn, Magda, du hast nie Zweifel gehabt. Das geht aus Werners Briefen hervor. Außerdem war ich so frei und habe, nachdem ich diese Briefe beim Zusammenräumen auf dem Dachboden gefunden habe, einen Váterschaftstest machen lassen.“ Er holte zwei weitere Papiere aus der Brusttasche, entfaltete sie und gab je eines an seine Tocchter und an seinen Sohn weiter.
… Der überflog das Schriftstück kurz: „Da steht’s: ‚… kann eine Váterschaft mit Sicherheit ausgeschlossen werden.‘ Verfluchte Scheiße.“ Seine Schwester sagte nichts, sondern brach in Tränen aus. Ihr Mann stand schnell auf und nahm sie in seine Arme. Sie vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter und weinte jetzt so richtig los.
… Einige Minuten vergingen und es herrschte betroffene Stille. Nur Pierre und Magda saßen noch zusammengekauert in ihren Stühlen, alle anderen waren aufgestanden, standen im Raum umher und wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten. Dann ergriff Pierres Sohn erneut das Wort: „Ich glaube, die Feier ist zu Ende. Wir werden jetzt alle gehen.“
… „Ich werde auch gehen“, meldete sich Pierre, „ich bleibe nicht in diesem Haus.“
… „Wir machen das so“, sagte seine Tóchter. Sie hatte zu weinen aufgehört und löste sich aus der Umarmung ihres Mannes. Ihr Organisationstalent kam zum Vorschein und zuerst wandte sie sich an eine Cousine: „Kannst du dich bitte um alle Kleínen kümmern, die oben schlafen, und sie zu euch nach Hause bringen? Wir holen sie morgen ab. Und ihr“, sagte sie zu ihrem Bruder und dessen Frau, „räumt bitte hier das Notwendigste zusammen, den Rest machen wir dann morgen.“
… Daraufhin ging sie zu ihrem Váter und half ihm sanft aus dem Stuhl. „Du musst nicht hierbleiben, Pápa. Wir nehmen dich vorerst mit zu uns. Komm‘, wir packen einige Sachen für dich ein.“
… Betreten wünschten sie einander eine gute Nacht. Das Wohnzimmer leerte sich, nur Magda blieb wie ein Häuflein Elend in ihrem Lehnstuhl zurück.
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… „Ihr müsst wissen, Sandra und Marco, dass ich unser Haus nie wieder betreten habe“, sagte Pierre, als er, unterstützt von seinen Kjindern, mit seiner Geschichte zu Ende gekommen war. Wir hatten einander sehr sympathisch gefunden und die Familie hatte uns ganz zwanglos von Anfang an geduzt, wie in Luxemburg durchaus üblich. Alle sprachen ausgezeichnet Deutsch. „Das war schwierig, schließlich haben Magda und ich das Haus gebaut, noch bevor unsere Kiinder auf der Welt waren. Aber ich habe es nicht ertragen, dort zu wohnen, wo ich ein Leben lang belogen und jahrelang betrogen wurde.“
… „Wir haben für Pápa eine Wohnung gesucht und den Umzug für ihn erledigt, sodass er nicht mehr ins Haus musste“, ergänzte Pierres Tóchter.
… „Kannst du noch ein wenig über deine Gefühle erzählen, Pierre?“, fragte Sandra leise. Durch ihre enorme Empathie hatte sie während der Geschichte mitgelitten und ich hatte nicht anders können, als sie in meine Arme zu nehmen und festzuhalten. Als Pierres Sohn und Schwiegersohn das sahen, hatten sie gelächelt und mit ihren Frauen dasselbe gemacht.
… „Ich habe einige Monate lang Ordnung im Dachboden gemacht“, berichtete Pierre, „ich wollte das über Jahrzehnte angehäufte Chaos beseitigen. Dabei bin ich auf eine Kiste gestoßen, in der meine Frau alte Fotos und Erinnerungsstücke aus ihrer Jugend aufgehoben hat. Beim Durchschauen bin ich auf ein Bündel Briefe gestoßen. Die fand ich merkwürdig, denn als Absender stand ein gewisser Werner drauf. Ein solcher war mir unbekannt. Man könnte meinen, dass das eine Jugendliebe oder ihr erster Freund war, aber beides bin eigentlich ich gewesen. Also versteckte ich das Päckchen in meinem Arbeitszimmer und wenn ich allein war, las ich die Briefe. Es waren Liebesbriefe, sie hatten mindestens sechs Jahre lang eine Affäre. Sechs Jahre, könnt ihr euch das vorstellen? Ein langes Doppelleben, das meine Frau führte, und wenn die Briefe Recht haben, hat sie Werner geliebt. Es begann bereits, während wir unser Haus bauten, zwei Jahre vor der Geburt meines Sohnes. Der letzte von Werners Briefen ist datiert, als meine Tocchter etwa anderthalb war. Was danach passierte, ob die Affäre aufgehört hat und was der Grund war, weiß ich nicht.“
… „Hat dich nie interessiert, mehr darüber zu erfahren? Vor allem, was der Grund für den Ehebruch war?“ Von Clara Millstedt habe ich gelernt, immer die Frage nach dem ‚Warum?‘ zu stellen.
… „Nein, nie. Es war mir schlicht egal. Als ich die Briefe durch hatte, bin ich zuerst über der Kloschüssel gehangen und hab‘ gekotzt. Stundenlang habe ich in meinem Zimmer gesessen und geheult. Ich bin in ein bodenloses Loch gestürzt. Ich habe mich in mein Bett verkrochen und meiner Frau vorgespielt, dass ich eine Mageninfektion hätte. Ich habe auf leeren Magen Wodka getrunken und immer wieder ausgespien. Nach einigen Tagen hat sich mein Gehirn wieder eingeschaltet. Zunächst habe ich die Váterschaftstests machen lassen. Die Ergebnisse waren ja eigentlich zu erwarten gewesen, aber als ich sie in Händen hielt, bin ich erneut zusammengebrochen. Ich kam mir unsagbar verschaukelt und hintergangen vor. Ich wollte Rache üben, ein billiges Vorgehen, ich weiß, aber ich habe mich darauf fixiert und den Plan gemacht, das Ganze bei der anstehenden Geburtstagsfeier steigen zu lassen.“
… „Hat deine Frau nichts davon gemerkt, wie du dich gefühlt hast?“, wunderte sich Sandra.
… „Ich weiß es nicht, Sandra. Angemerkt habe ich ihr nichts. Ich habe eine gewaltige Selbstbeherrschung an den Tag legen müssen. Wir waren gewohnt, viel zu schmusen, aber das widerte mich nun an. Ich habe versucht, viel Zeit allein im Bett zu verbringen und Unwohlsein vorzutäuschen. Als die Feier zu Ende und ich aus dem Haus war, war ich richtiggehend erleichtert.“
… „Wie ist es denn weitergegangen?“, war nun meine Frage.
… „Mein Bruder und ich haben mit unserer Mutter ein paarmal gesprochen.“ Pierres Tóchter war bisher eher schweigsam gewesen. „Wir wollten natürlich mehr wissen von unserem biologischen Erzeuger. Aber Máma wusste nichts, sie hatte nach Beendigung der Affäre keinen Kontakt mehr. Mein Mann hat Erkundigungen eingeholt. Dieser Werner dürfte bald danach Luxemburg verlassen haben, vermutlich Richtung Australien, aber dort verliert sich die Spur. Das hat uns doch ziemlich betroffen gemacht. Es gab einige unschöne Szenen zwischen meiner Mutter und mir. Ich hätte nämlich zumindest erwartet, dass sie dafür sorgt, dass bei Interesse ihrer Kjinder Unterlagen über deren Abstammung vorhanden sind, wenn sie schon … äh … wie nennt ihr das auf Deutsch, mit einem anderen Mann ein Kjnd zeugt?“
… „Du meinst sicher ‚fremdschwängern‘. Das ist das lockere deutsche Wort“, antwortete ich, leicht schmunzelnd.
… Das Wort gefiel der ganzen Familie und alle lachten. „Also, wenn sich meine Mutter schon fremdschwängern lässt“, wiederholte Pierres Tocchter. Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: „Máma hat dann mit mir nicht mehr geredet. Über meinen Bruder versuchte sie, Kontakt mit Pápa herzustellen, aber der wollte das nicht, also haben wir das verhindert. Mein Mann ist Anwalt und er hat die Scheidung durchgezogen, was meine Mutter ihm sehr übel genommen hat. Die Scheidung ist sofort durchgegangen, keine drei Monate hat sie gedauert. Im Gerichtssaal war meine Mutter ein Wrack, sie pendelte zwischen Weinkrämpfen und Beschimpfungen. Das ging dann eine Zeitlang so weiter, deshalb hat auch mein Bruder den Kontakt zu ihr beendet.“
… „Das ist sehr traurig für eure Máma“, meinte meine Frau, „wie haltet ihr es denn mit euren Kijndern, also ihren Enkeln?“
… Wieder antwortete Pierres Tóchter: „Mein Bruder hat drei und ich auch. Sie sind zwischen sieben und sechzehn Jahren . Wir beide haben entschieden, dass niemand erfahren soll, dass wir nicht von Pápa abstammen. Alle, die bei der Feier anwesend waren, haben uns fest versprochen, zu schweigen. Und die Enkel werden es gar nicht erfahren. Unsere Kleínen wissen nur, dass Oma einige Dinge getan hat, die für Opa schlimm waren, weshalb sie jetzt getrennt leben. Unseren Größeren haben wir mehr erzählt, die Wahrheit über Omas Affäre, nur ohne die Fremdschwängerungen. Wir stellen es den Kjndern frei, ob und wann sie ihre Oma besuchen wollen, aber bei den Kleínen ist immer jemand von uns dabei und wir treffen sie nicht in ihrem Haus, sondern in der Stadt, meist im Park. Wir wollen verhindern, dass meine Mutter ihnen irgendwelche falschen Geschichten einpflanzt. Aber wir beobachten, dass die Kontakte mit der Oma seltener werden, die Kjnder spüren offenbar die große Abneigung, die bei uns herrscht.“
… „Ich bin enorm beeindruckt“, meldete ich mich jetzt zu Wort, „ihr habt diese schwierige Situation sehr gut gemeistert, meine Hochachtung. Vor allem du, Pierre, scheinst wieder Tritt im Leben gefasst zu haben.“
… „Ja, ich glaube, das habe ich. Seit einem Jahr führe ich sogar wieder eine Beziehung mit einer verwitweten Frau und ich bin recht zufrieden.“
… „Und ihr habt nie wissen wollen, warum Magda fremdgegangen ist? Woher sie diesen Werner kannte? Ob sie ihn wirklich geliebt hat? Und warum sie gegen ihre Schwangerschaften nichts unternommen hat?“, versuchte ich, noch einmal nachzuhaken.
… Pierres Sohn gab jetzt Antwort: „Weißt du, Marco, wirklich interessiert hat uns das nicht. Unser Váter war völlig fertig. Er hat ja vorhin schon gesagt, dass es ihm egal war. Ich habe ein paarmal bei meiner Mutter nachgefasst, als wir noch Kontakt hatten, aber sie wollte nichts sagen. Damit war das Kapitel für uns abgeschlossen.“
… „Ich glaube, wir haben euch jetzt lange genug aufgehalten. Darf ich zum Abschluss noch eine sehr persönliche Frage an euch drei Hauptbetroffene stellen?“ Ich blickte Pierre fragend an.
… „Viel persönlicher als das, was ihr euch erzählt haben, geht’s doch nicht mehr“, schmunzelte der alte Herr, „aber schieß los!“
… Behutsam versuchte ich mich vorzutasten: „Als ihr die Information erhalten habt, dass es diesen Werner in Magdas Leben gegeben hatte, hat sich da irgendetwas in eurer Beziehung geändert, ich meine als Váter und Sohn beziehungsweise Váter und Tocchter?“
… „Sprich es ruhig aus, Marco.“ Pierres Sohn lächelte mich an. „Du meinst, seit wir wissen, dass wir mit Pápa biologisch nicht verwandt sind.“
… „Ja, ich wollte nur nicht so direkt formulieren.“
… „Das kannst du aber ruhig. Wir sind mit uns selbst und miteinander im Reinen. Unser Pápa hier ist unser Váter. Und nur er. Wir reden nie über Werner. Auch wenn er unsere Mutter geliebt zu haben scheint, er ist ein Schwein, weil er sich mit einer verheirateten Frau eingelassen und nicht einmal verhütet hat. Er ist genauso schuld wie unsere Mutter. Und warum sollte sich nach über vierzig Jahren unseres gemeinsamen Lebens irgendetwas ändern? Pierre ist und bleibt unser Váter.“
… „Ich sehe die Liebe in euren Augen, die ihr für ihn empfindet.“ Sandra blickte von Pierres Sohn zu seiner Tóchter.
… Die eilte jetzt zu ihrem Váter, setzte sich neben ihm und legte ihren Arm um ihn. „Ja, Sandra, wir lieben unseren Pápa, vielleicht sogar noch mehr als vorher.“
… Ich war noch nicht ganz zufriedengestellt: „Und, Pierre, wie geht es dir dabei?“
… Der alte Herr strahlte: „Genauso wie meinen Kijndern. Ich habe großartige Kjnder und Enkel. Es schien mir früher unglaublich wichtig, dass sie meine Gene tragen, aber heute ist das für mich nicht mehr von Bedeutung. Ich denke nie daran. Ich bin zufrieden und glücklich.“
… Wir standen jetzt auf, um uns zu verabschieden. Das Gespräch hatte gezeigt, wie eine Familie sich aus dem Abgrund emporrappeln konnte, in den sie durch die Fremdschwängerungen der Ehefrau gestürzt worden war. Als einziges Opfer blieb die Verursacherin selbst zurück, die Ehefrau und Mutter. Geradezu prototyphaft für derartige Situationen war das, was wir bei dieser Familie erfahren hatten.
… Während wir einander die Hände schüttelten, fragte Sandra noch: „Und deine Exfrau, Pierre? Kannst du dir irgendwann einmal eine Versöhnung vorstellen? Eure Familie hat sich doch so wunderbar gefangen.“
… Pierre reichte die Frage an seine Kinnder weiter: „Was meint ihr?“
… „Keine Chance“, antwortete sein Sohn sofort, „unsere Mutter hat das ganze Chaos angerichtet, durch das wir durch mussten. Wir haben damit abgeschlossen und wenn sie wieder auftaucht, würde vielleicht alles wieder aufbrechen.“
… „Wenn Pápa das unbedingt wollte, würde ich es akzeptieren“, setzte seine Tóchter fort, „aber von mir aus sicher nicht. Ich verachte meine Mutter. Sie hat uns alle belogen, aber das, was ich ihr wirklich übelnehme, ist der jahrelange Betrug an unserem Váter. Sie hatte sechs Jahre lang einen Liebhaber und hat es nicht für nötig befunden, mit unserem Pápa irgendwann einmal darüber zu reden. Lieber hat sie ihm eine heile Ehe- und Familienwelt vorgegaukelt. Das ist erbärmlich, hat sie doch vorgegeben, unseren Pápa zu lieben. Nie könnte ich meinem Mann etwas Derartiges antun.“
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… Während ich diesen Fall aus Luxemburg in mein Notebook getippt habe, bin ich gedanklich in die Vergangenheit abgeglitten. Ich habe wieder im Wohnzimmer jener Familie gesessen, alles hat bildlich vor meinem geistigen Auge gestanden. Ich habe diesen Fall ‚prototyphaft‘ genannt. Und das war er auch, er ist es noch immer. Alle ähnlichen Fälle, die mir kenntlich wurden oder werden, laufen nach demselben Muster ab. Je später eine Fremdschwängerung entdeckt wird, desto sicherer ist nicht nur die Ehe im Eimer, sondern auch, dass die Ehefrau alles verliert, vor allem die Zuneigung ihrer Kijnder. Wahrlich ein hoher Preis für den Glauben, mit ihrem Kuckuckskiind unerkannt durchzukommen.
… Die Sprechanlage meldet sich und das Display zeigt ‚Schlafzimmer SM‘. Ich weiß nicht, warum der Techniker, der die Anlage programmiert hat, gerade diese Abkürzung gewählt hat, die nichts anderes als ‚Sandra & Marco‘ bedeutet, aber unsere Kjnder haben sich darüber witzemäßig schon ausgetobt. Jonathan hat schon vor Jahren gefragt: „Pápa, folterst du dort Sandra-Mam?“ Auf die Idee, dass es auch umgekehrt sein könnte, ist er gar nicht gekommen.
… Sandra ist im Lautsprecher. Ich erzähle ihr, was ich gerade gedacht habe, und sie lacht hellauf. „Vielleicht sollte ich das wirklich mal tun.“
… „Was tun?“
… „Na, dich foltern. Alles, was wir in Slavkos Club gesehen haben.“
… Jetzt bin ich es, der lacht: „Das magst du doch gar nicht. Und für eine alte Großmutter schickt sich das nicht.“
… Sandra kichert: „Da solltest du dir nicht so sicher sein. Auf jeden Fall ist es jetzt spät und du kommst jetzt rüber. Alle, die morgen Schúle haben, schlafen schon, naja, sie sind zumindest in ihren Zimmern. Valentina und unsere Enkelin schlafen auch und jetzt will ich dich hier haben. Wir haben drei Tage nicht gevögelt.“
… Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Ich bin die letzten Tage von früh bis spät unterwegs gewesen, um eine Reihe von Gesprächen zu führen, deren Inhalte ich für meine Vorträge brauche. Es geht um die Penisangst und Valentinas Studienfreundin Bettina hilft mir, den letzten Schliff in meine Unterlagen zu bringen.
… „Ich bin schon unterwegs, ich fahre nur das Notebook runter.“ Wie immer freue ich mich auf meine Frau. Ich glaube nicht, dass ich jemals genug von ihr kriegen werde.
… Im Schlafzimmer wartet sie schon auf mich, ganz nackt, denn die Zeiten, in denen die Gefahr bestand, dass eins unserer Kijnder auftaucht, um in unser Bett zu krabbeln, sind lange vorbei. Manchmal bin ich darüber etwas traurig, denn eigentlich war das immer ein Genuss gewesen, aber der unbestreitbare Vorteil ist, dass wir in unserem Schlafzimmer auf niemanden mehr Rücksicht nehmen müssen.
… „Wow, mein Liebling“, sage ich und pfeife ihr zu, „was für eine attraktive Oma steht da vor mir!“
… Sandra lächelt mich an, kommt auf mich zu und zärtlich hilft sie mir beim Entkleiden. „Aber der Opa ist auch nicht von schlechten Eltern“, säuselt sie in mein Ohr, während sie mein bestes Stück in die Hand nimmt.
… Ich bin zwar ziemlich müde, aber ich möchte sie vor dem Einschlafen haben. Mein Pimmel scheint das zu riechen, denn er verhält sich mustergültig. Unter Sandras kundiger Hand fängt er an zu wachsen.
… Sie errät natürlich genau, wie es um mich steht. „Ich glaube“, kichert sie, „der kleíne Opa ist noch deutlich frischer als der große. Damit passt der Kleíne heute Abend besser zu mir als der Große.“
… Sie bugsiert mich zum Bett und befiehlt mir, mich auf den Rücken zu legen. Auf Händen und Knien kommt sie über mich und liebkost mich mit Lippen und Zunge. Zuerst meine Ohren, dann meine Lippen, danach wandert sie über meine Brustwarzen hinunter in den Schambereich. Mein Penis steht bereits auf halbmast und jetzt sorgt Sandra dafür, dass er einsatzfähig wird. Ich habe in meinem Leben keine einzige Frau kennengelernt, die mir bessere Blowjobs verabreichen konnte als meine Frau, eine Sandra in Bestform ist für mich nicht zu übertreffen, natürlich auch deshalb, weil sie ihre Technik mit ihrer unendlichen Liebe, Zärtlichkeit und Ergebenheit verbindet, die ihr bei jedem Zungenschlag aus dem Gesicht strahlen. Es gibt zwei Frauen in meinem Leben, die ebenfalls außergewöhnliche Bläserinnen sind, das sind Aisha und dahinter Penny. Eine Reihung ist schwer und natürlich subjektiv beeinflusst. Aber die beiden kommen nur an Sandra ran, wenn die mal nicht so gut drauf ist. Und einmal gab es eine Frau in Norwegen, deren Blowjobs auch vom Feinsten waren.
… Heute würde Sandra nicht ganz ins Spitzenfeld kommen, aber was heißt das schon? Es ist für mich äußerst genussvoll, was ihre Lippen und Zähne mit meinem Schwanz anstellen. Der Erfolg gibt ihr nach kurzer Zeit recht, ich spüre, wie prall er ist.
… Sandra entlässt ihn aus ihrem Mund, grinst mich an und schwingt sich über mich. Sie ist diejenige, die heute eindeutig das Geschehen bestimmt. Sie weiß genau, dass ich in dieser Stellung keine Chance habe, mich um ihre Orgasmen zu kümmern und meinen wenn erforderlich zurückzuhalten. Also ergebe ich mich in mein Schicksal und lasse sie machen.
… Und wie sie das macht! Sie reitet mich mit wechselnden Rhythmen, manchmal mit langen Bewegungen, bei denen mein Schwanz tief hineinrutscht, manchmal mit kurzen, schnellen, die meine Eichel und ihren Eingang reizen. Dank unserer regelmäßigen sportlichen Aktivitäten ist ihre Ausdauer mindestens so gut wie meine, sie kann es sich leisten, zwischendurch zu beschleunigen.
… Für mich ist das Lust pur, die ich dabei empfinde, und das weiß sie natürlich. Sie hat sogar genügend Luft, mir einige liebevolle Worte zuzuraunen, die mir durch und durch gehen. Nach einer Weile lehnt sie sich nach hinten und stützt sich mit einer Hand neben meinem Bein ab. Die andere Hand legt sich auf ihre Muschi und meinen Pimmel und ihre Finger sorgen dafür, dass der nicht herausrutschen kann, denn der Winkel ist schwierig. Unsere Lust jedoch steigert sich dadurch nochmals, denn mein Penis drückt in dieser Stellung stark an die obere Wand ihres Scheideneingangs.
… Diese Stellung ist für Sandra sehr anstrengend, sie macht das nur, wenn sie sicher ist, dass ihre Puste reichen wird. Und es kommt vor, dass sie sich mit beiden Händen abstützen muss, dann bedeutet sie mir, mit meiner Hand dafür zu sorgen, dass mein Pimmel ihrer Muschi nicht entfleucht.
… Diesmal jedoch macht sie alles allein. Sie keucht ziemlich, aber sie hält durch. Die Orgasmen, die uns kurz nacheinander überrollen, sind einfach phantastisch. Sandra fällt schwer auf mich und benötigt einige Minuten, um sich zu besinnen. Wie so oft ist sie mit ihrem Höhepunkt in ihre eigene Welt abgedriftet, aus der sie jetzt langsam wieder zurückkommt.
… „Mein Liebling“, sage ich zu ihr, „wie machst du das bloß? Wo nimmst du nur diese Energie her?“
… Meine Frau hat sich erholt und ist wieder obenauf: „Da staunst du. Auch eine alte Oma ist noch zu brauchen.“ Dabei strahlt sie mich an.
… Was soll ich darauf erwidern, außer sie intensiv zu küssen? Nachdem ich mich von ihr gelöst habe, gehe ich ins Bad, um mich bettfertig zu machen.
… Später liegen wir ganz dicht aneinander geschmiegt. Ich mag es sehr, wenn Sandra meinen Rücken streichelt, aufwärts und abwärts, entlang der Wirbelsäule, oben bis zum Hinterkopf und unten bis in die Pospalte.
… Ich erzähle ihr, was ich heute geschrieben und wie ich unseren Besuch in Luxemburg dargestellt habe.
… „Trotz allem, was diese Frau angerichtet hat, tut sie mir eigentlich leid“, meint Sandra, nachdem ich zu Ende gekommen bin.“
… „Warum denn, mein Liebling?“, ist meine Antwort, „ich weiß schon, deine Fähigkeit mitzuleiden. Aber du kennst die Ergebnisse unserer Studien, du weißt, wie fast alle betroffenen Männer und Kijnder reagieren. Wir haben alles bestätigt gefunden, was Clara damals erläutert hat. Es ist auch ziemlich logisch.“
… „Trotzdem, solche Frauen stehen nach der Trennung ganz allein da.“
… „Nein, nicht immer. Du kennst doch die Auswertungen. Manche sehen ihre Kjnder regelmäßig, manchen gelingt es sogar, ihre Kjnder zu behalten.“
… „Aber der Mann ist weg.“
… „Auch das ist logisch, das kann niemanden wundern. Welcher Mann würde mit einer Frau verheiratet bleiben, die ihm ein Kiind untergejubelt hat. Denk‘ an Claras Ehefaktoren, die hat sie praktisch alle kaputtgemacht.“

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